Informationen rund um Factoring
Was ist Factoring?
Neben dem klassischen Bankkredit oder der Möglichkeit des Leasings hat sich das Factoring als weitere Art der Unternehmensfinanzierung etabliert. Ursprünglich in den Vereinigten Staaten von Amerika entwickelt, gab es bereits in Babylonien oder bei den Fuggern Vorläufer des Systems.
Factoring beruht auf der Annahme, dass für bestimmte Unternehmen der Verkauf von Forderungen an ein Factoringunternehmen lukrativer ist, um unabhängig von Banken handeln zu können.
Factoring nach Leistungsumfang
Die alternative Finanzierung des Factorings ist auf eine kurzfristige Umsatzfinanzierung (Umsatz-Factoring) angelegt. In Deutschland wird insbesondere das Verfahren des echten Factorings angewendet, das heißt der Factor (Vorbehaltskäufer) übernimmt das komplette Ausfallrisiko (Delkredere). Das Factoringunternehmen erhält den Wert der Forderungen seines Kunden, die dieser gegenüber seinem Abnehmer (Debitor) hat, unter Abzug des Diskonts (Factorprovision) für die erbrachten Leistungen (Debitorenmanagement, Finanzierung, Delkredere) des Factors. Indem der Kunde seine Forderungen an den Factor abtritt, zahlt das Factoringunternehmen innerhalb kürzester Zeit den Forderungskaufpreis. Der Factor legt einen Teil des Kaufpreises auf einem Sperrkonto an, damit das Veritätsrisiko, bis die Zahlung durch den Debitor erfolgt, minimiert wird.
Fälligkeits-Factoring (Maturity Factoring)
Der Kunde verzichtet auf eine sofortige Regulierung des Kaufpreises, nutzt jedoch den Vorteil der kompletten Risikoabsicherung und die Entlastung innerhalb des Debitorenmanagements.
Eigenservice-Factoring (auch Bulk-Factoring oder Inhouse Factoring)
Beim Eigenservice-Factoring schränkt das Factoringunternehmen die Dienstleistungen bei der Übernahme des Delkredererisikos ein. Der Kunde ist für Debitorenbuchhaltung inklusive des Mahnwesens selbst zuständig. Bei Abschluss eines außergerichtlichen Mahnwesens erfolgt die Beauftragung des Factors mit Einzug der Forderungen.
Factoring nach der Art der Forderungsabtretung
Offenes Factoring (Notification Factoring)
Der Schuldner erhält eine Benachrichtigung bezüglich der abgetretenen Forderung. Mit schuldbefreiender Wirkung erfolgen die Zahlungen auf die Forderungen allein an den Factor.
Stilles Factoring
Die abgetretene Forderung ist für den Debitor nicht sichtbar, da er keine Information vom Kunden darüber erhält. Für das Factoringunternehmen entsteht das Risiko, dass es die Forderung nicht verifizieren kann, es besteht demnach die Gefahr, dass ein Kunde nicht existierende Forderungen geltend machen möchte. Der Factor bietet diese Variante meist nur an, wenn eine Zusammenarbeit mit erstklassigen und bekannten Adressen möglich ist. Die Folge: Die Sicherheiten werden verstärkt, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechtern.
Halb-offenes Factoring
Der Debitor erhält keine Information über die Abtretung der Forderungen an ein Factoringunternehmen, allerdings bekommt er die Daten für ein Zahlkonto oder die Bankverbindung des Factors genannt, an die er zu zahlen hat. Damit soll der Zahlungsrückfluss direkt zum Forderungsinhaber gelangen. Zahlen die Debitoren mit Schecks kommen weitere Verfahren des halb-offenen Factoring zur Anwendung.
Sonderformen
Einzelfactoring
Um kurzfristig Kapital zur Verfügung zu haben, gibt es die Möglichkeit des Einzelfactorings, wobei nur einzelne Forderungen verkauft werden. Geschäftsgrundlage ist dabei ein kostenfreier und unverbindlicher Kooperationsvertrag. Der Kunde entscheidet selbst, welche Forderungen er verkaufen möchte und muss mit keinerlei Fixkosten rechnen. Die Liquidität des Kunden wird sofort verbessert, indem der fällige Betrag innerhalb kürzester Zeit vom Factor überwiesen wird. Delkredererisiko sowie die Übernahme des Inkassos werden durch das Factoringunternehmen übernommen. Über diese flexible und kostengünstige Möglichkeit des Factorings kann der Kunde unabhängig von Dritten agieren und das freigesetzte Kapital völlig frei einsetzen. Zudem gibt es beim Einzelfactoring die Option der Verrechnung der eigenen Forderungen mit den Verbindlichkeiten.
Reverse-Factoring (Einkaufs-Factoring)
Im Unterschied zum Umsatzfactoring dient das Reverse-Factoring der Lieferantenseite. Beim „umgekehrten“ Factoring initiiert der Abnehmer den Prozess, der über das Factoring längere Zahlungsziele erhält. Das Factoringunternehmen finanziert die Forderungen des Lieferanten für den Abnehmer vor. Neben der vertraglichen Vereinbarung zwischen Abnehmer und Factor, schließen auch der Lieferant und der Factor einen ergänzenden Vertrag ab, der die Forderungen gegenüber dem Initiator dokumentiert. Sobald das Factoringunternehmen die Rechnung erhält oder diese fällig ist, überweist sie den Betrag an den Lieferanten. Das Delkredererisiko kann ebenso vom Factor übernommen werden.
Diese Finanzdienstleistung lohnt sich besonders für kleinere und mittelständische Unternehmen, die dadurch ihre Zahlungsziele flexibel gestalten können. Als Zahlungsinstrument hat sich das Reverse-Factoring vor allem im Außenhandel durchgesetzt und kommt oft anstatt des Akkreditivs (Letter of Credit) zum Einsatz, da es ähnliche Sicherheiten bietet sowie einfach und zeitsparend einsetzbar ist.
Das Einkaufsfactoring wurde vor etwa 20 Jahren in Spanien entwickelt, da dort lange Zahlungsziele (zwischen drei bis sechs Monaten) üblich sind, und hat sich vorrangig in Lateinamerika und Südeuropa durchgesetzt. Sinnvoll wird dieses Factoringverfahren besonders dann, wenn der Initiator (Importeur) aus einem Land mit langen Zahlungszielen kommt und der Lieferant kurze Zahlungsräume gewohnt ist
